Sicherheitswirtschaft

Chinas Verantwortung in der Corona-Krise und deren Konsequenzen

Im Zuge des Ausbruchs der Coronakrise und deren Folgen kann man China sicher für vieles in Verantwortung sehen. Allerdings kann man die Kommunistische Partei Chinas nicht für mangelnde Vorbereitung, strategische Fehleinschätzungen und verfehlte Maßnahmen der anderen Nationen in der lokalen Handhabung dieser Pandemie verantwortlich machen. Zumal wenn, wie in Deutschland geschehen, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), bereits im Jahr 2012 eine ressortübergreifende Risikoanalyse erarbeitet hatte, welche in Form eines Bundestagsberichtes veröffentlicht wurde. Gerade diese Analyse war aus heutiger Sicht absolut zutreffend. Denn sie beschäftigte sich neben dem Szenario von extremen Schmelzhochwassern in den Mittelgebirgen Deutschlands mit einer Pandemie durch ein mutiertes SARS-Virus. Man hätte gewarnt sein können

Wahr ist aber vor allen Dingen, dass Peking von Anfang an nicht mit offenen Karten gespielt hat. Informationen bezüglich des Umfangs und der Stärke des Virus wurden verschleiert oder gar vollständig zurückgehalten. Und auch vom Vorwurf der aktiven Desinformation ist die chinesische Regierung nicht mehr frei. So lancierte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums die Verschwörungstheorie, dass “es die US-Armee sein könnte”, die das Coronavirus nach China brachte.

Eine Analyse der Universität Southampton kommt dabei zu der Erkenntnis, dass die chinesische Regierung ihre Anzahl von COVID-19-Fällen um 95 Prozent hätte reduzieren können, wenn sie drei Wochen früher offensiv tätig geworden wäre. Die daraus erwachsenden Konsequenzen tragen dabei nicht nur China, wie wir alle leidvoll erfahren mussten, sondern der gesamte Rest der Welt im Rahmen einer globalen Gesundheitskrise. Dass China sich darauf folgend noch als Helfer in der Not geriert, indem es medizinisches Hilfsmaterial in die Welt verschickt, um auch daraus Profit zu schlagen, wirkt wie ein kurzfristiger, zynischer Nebeneffekt.

Fakt ist: wäre die Welt besser und eher informiert worden, würden wir uns heute möglicherweise nicht in einer globalen Gesundheitskrise dieses Ausmaßes befinden. Und „Ja“, daran trägt die KP einen sehr großen Teil der Verantwortung.

China: Perfektes Territorium für Pandemien

Covid-19 ist nicht die erste Pandemie, der die Menschheit gegenübersteht. Und es wird auch nicht die Letzte sein. Und so schlimm die Fallzahlen im Zuge der Corona Pandemie auch sind, so relativ gering scheinen deren Folgen, verglichen mit den monströsen Zahlen des „Schwarzen Todes“ (14. Jahrhundert) oder der Spanischen Grippe (1918). Der „Schwarze Tod“ kostete zwischen 30 und 50 Millionen Menschen das Leben, die Spanische Grippe zwischen 50 bis 100 Millionen Menschen und auch die moderne Pest (1860-1903) tötete ca. 10 Millionen Menschen.

Nicht nur Covid-19, sondern auch zwei der größten Pandemien der Menscheit (Tod/Pest) sowie weitere kleinere Pandemien haben ihren Ursprung in China und Hong Kong: Die asiatische Grippe (1956-58), die Hong-Kong-Grippe (1968-69) sowie SARS (2003). Und jetzt Covid-19. Das ist eine Häufung an Vorfällen, die man nicht ignorieren darf und kann. Einer der ausschlaggebenden Gründe hierfür sind sicherlich die teilweise katastrophalen Umwelt- und Hygienesituationen vor Ort. Deswegen ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Menschenrechte, Arbeiterrechte, Pressefreiheit, faire Geschäftspraktiken und Umweltstandards zu werben. Für das chinesische Volk und für die Welt. Dafür braucht es eine internationale politische und wirtschaftliche Allianz. Wenn nicht jetzt, wann dann? Die nächste Pandemie kommt auf jeden Fall!

WHO: Trauriges Krisenmanagement

Mit großer Sorge muss die zunehmende Häufigkeit von Pandemien, die in den letzten Jahrzehnten auftraten, betrachtet werden. Und doch bekommt man bei jeder neuen Pandemie den Eindruck, dass weder die Weltgesundheitsorganisation WHO noch die nationalen Regierungen in irgendeiner Form darauf vorbereitet sind. Kommunikation statt Information und mangelnde Ressourcen statt voller Notfalllager.

Europäische Unternehmen in China: Mit dem Rücken zur Wand

Die aktuelle Krise hat einer unbegrenzten Globalisierung und ihren Konstrukteuren und Nutznießern ihre Grenzen aufgezeigt. Auch wenn sie sich durch kurzfristige Effekte ebenso kurzfristig auf der Siegerseite wähnten, mussten sie doch schmerzvoll erkennen, dass das Geschäft mit China nicht nur Handels- und Logistikrisiken in sich birgt. Langfristig rüsten diese unsere Unternehmen, die Konkurrenz im fremden Lande hoch, offen unterstützt durch die chinesische Regierung und verdeckt gefördert durch ein Instrumentarium an gesetzlichen und behördlichen Vorschriften und Ressourcen, das auch vor dem Einsatz von Wirtschafts- und Industriespionage und der Tolerierung von Produkt- und Markenpiraterie nicht Halt macht. Langfristig gewinnt dadurch nur eine Nation. National wie global. China selbst, eine Nation die sich unter der Führung der kommunistischen Partei und deren autokratischen Führern längst als Weltmacht Nr. 1 definiert.

Deutsche und internationale Konsequenzen

Und wie reagiert die deutsche Politik? Wie immer. Zuerst gar nicht. Still ruht die See. Dabei wäre man gerade jetzt gefordert Position zu beziehen. Immer mehr von der Krise betroffene Menschen, deren Leben und Geschäftsgrundlage auf dem Spiel stehen oder diese bereits verloren haben, sind verärgert und fragen sich hierzulande, wer am Ende die Zeche bezahlt und welche Konsequenzen der Rest der Welt, insbesondere wir Deutschen, aus dieser Krise und im Umgang mit China ziehen?

Werden es am Ende wieder die Steuerzahler, also wir alle zu tragen haben? Wie werden künftig strategische Unternehmensentscheidungen hinsichtlich der Standortwahl für national systemrelevante Erfordernisse im Bereich der Forschung oder andere Sektoren getroffen? Sind unsere politischen Entscheider zumindest willens, China zu eröffnen, dass wir, wenn schon kein Regress durchzusetzen ist, eine fundamentale Änderung in Fragen der internationalen Kooperation, Chinas Informations-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik einfordern? Dass wir andernfalls auch entschlossen sind international koordinierte Sanktionen auszusprechen.

Der viel gescholtene amerikanische Präsident hat es uns vorgemacht. Er prüft Maßnahmen gegen China. Vielleicht wäre es an der Zeit, nun endlich den Weg zu beschreiten, der längst überfällig ist: Uns zusammen mit den europäischen Partnern unserer transatlantischen Geschichte zu besinnen und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten, China seine bislang unbegrenzten Grenzen aufzuzeigen. Nicht Amerika First. Nicht Deutschland oder Europa First. Und schon gar nicht China First. Nur gemeinsames Handeln kann eine Wiederholung einer solchen durch China verursachten Krise verhindern. Dies erfordert zwar Umsicht und Strategie. Vor allem aber Entschlossenheit bei den politisch Verantwortlichen. Fordern wir sie ein!

Autoren:

Alexander Komianos, Generalbevollmächtigter der DAUTRUS Capital AG

Bernd Oliver Buehler, Vorstand der DAUTRUS Capaital AG und geschäftsführender Gesellschafter der JANUS Consulting GmbH

Bildquelle: PIRO4D – pixabay

Alexander Komianios

Alexander Komianios

Alexander Komianios ist Generalbevollmächtigter der DAUTRUS Capital AG. Er studierte Politikwissenschaft, Betriebswirtschaft und Volkswirtschaftslehre an der Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Akademie der Arbeit). Komianios ist Stellvertretender Vorsitzender des „Internationalen Freundeskreises der CSP“.

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