Sicherheitstechnik

Brandschutz in einer digitalen und globalen Welt – Auch Errichter müssen zeitgerechte Lösungen anbieten

BU: Stefan Falk, Vorsitzender der Geschäftsführung der VINCI Energies Deutschland Building Solutions GmbH

Welche Herausforderungen kommen auf Errichter in einer digitalen und global ausgerichteten Welt zu? Darüber sprach SicherheitsPraxis mit Stefan Falk, Vorsitzender der Geschäftsführung von Vinci Energies in Deutschland. Das Unternehmen realisiert, betreibt und optimiert Energie-, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen, Industrieanlagen und Gebäude.

SicherheitsPraxis: Die Welt verändert sich immer schneller, Globalisierung, Industry 4.0, Künstliche Intelligenz, vorausschauende Wartung. Nur Schlagworte? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den vorbeugenden Brandschutz in den nächsten Jahren?

Falk: Die größten Herausforderungen bestehen darin, dass vernetzte Systeme immer anfälliger werden für Cyberangriffe und durch Aktion von außen ganze Sicherheits- und Brandschutzanlagen außer Betrieb genommen werden. Dadurch kann ein immenser Schaden für den Nutzer der Sicherheitsanlage entstehen. Positiv anzumerken ist, dass durch digitale Bauprojekte wie zum Beispiel Building Information Modeling (BIM) sämtliche Bauwerksinformationen zentral verwaltet werden und somit auf Dauer sichergestellt werden kann, dass beispielweise Brandschutzdurchführungen bei der Gebäudeisolierung berücksichtigt und auf ihre konkrete Ausführung überprüft werden können. Besonders bei Brandschutz in Gebäuden sieht man immer wieder, dass durch falsche Installation Zulassungen verletzt werden und der Brandschutz im Ereignisfall nicht funktionsfähig wäre.

Was tun Sie als Hersteller und Gesamtlösungsanbieter, um sich diesen Herausforderungen zu stellen?

Der Kunde benötigt vernetzte Systeme, damit er mit Hilfe von Apps und digitaler Kartierung die Funktionsfähigkeit seiner Systeme für sich jederzeit überprüfen kann. Mithilfe von sogenannten Predictive Maintenance-Techniken können außerdem Kosten für zu spät erkannte Mängel reduziert werden.

Welche Herausforderungen kommen Ihrer Meinung nach speziell auf Errichter der Gebäude- und Sicherheitstechnik zu?

Die Erwartungen, die in unserer Gesellschaft hinsichtlich den Themen Digitalisierung und Automatisierung geweckt werden, müssen auch Errichter der Gebäude- und Sicherheitstechnik erfüllen und ihren Kunden zeitgerechte Lösungen offerieren. Firmen, die nicht in diesen Bereich investieren, werden es in den nächsten Jahren sicherlich schwer haben, am Markt als innovative und zukunftsfähige Unternehmen wahrgenommen zu werden.

Vinci Energies ist auf mehreren Geschäftsfeldern rund um das Gebäude tätig, neben Brandschutz unter anderem auch in den Bereichen Elektro- und Automatisierungstechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. Sehen Sie bereits heute Verbindungen bzw. Synergien zwischen diesen Gebieten?

Auf jeden Fall. Deswegen hat VinciI schon vor über zehn Jahren begriffen, dass neben unserem Stammgeschäft der Fokus auf der digitalen Vernetzung der einzelnen Geschäftsfelder liegen muss. Dafür haben wir die Marke Axians gegründet, mit der wir mittlerweile einen Jahresumsatz von ca. 2,8 Milliarden Euro erreichen. Axians ist in unserem Konzernumfeld Integrator und eine wichtige Schnittstelle für verschiedene Aktivitäten. Die einzelnen Aktivitäten vernetzen und begründen wir untereinander, um digital prozessoptimierte Lösungen anbieten zu können. Unsere digitalen und innovativen Lösungen werden wir erneut bei der Hannover Messe im April präsentieren.

Nicht nur für Errichter ist der Fachkräftemangel ein brandaktuelles Thema. Wo sehen Sie die Ursachen dafür? Ist die heutige Aus- und Weiterbildung in den gebäudetechnischen Berufen noch zeitgemäß?

Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist mittlerweile eine große Herausforderung, um Unternehmen weiter wachsen lassen zu können und Kunden auf Dauer Qualität anbieten zu können. Nicht in allen Berufen in der Brand- und Sicherheitstechnik gibt es Ausbildungsberufe. Aus diesem Grund gehen wir mit Hilfe unserer Vinci-Akademie unseren konzerneigenen Weg, um unsere Mitarbeitenden sowie zukünftige Mitarbeitende zu schulen, sowohl in Bezug auf fachliche Themen als auch hinsichtlich persönlicher Fähigkeiten.

Ein aktuelles Thema zum Abschluss: Wird der Brexit Auswirkungen auf Hersteller, Planer und Dienstleister der Gebäude- und Sicherheitstechnik haben, und wenn ja, welche?

Falk: Wir leben in einer globalen Welt und gerade die Sicherheitstechnik sowie Produkte der Sicherheitstechnik haben häufig internationale Zulassungen. Oft sind die Zulassungen aus den USA wie zum Beispiel FM Global. Es ist nicht zu erwarten, dass der Brexit einen wesentlichen Einfluss auf die Brandschutz- und Sicherheitsbranche haben wird.

Redaktion Prosecurity

Die ProSecurity Publishing GmbH & Co. KG ist einer der führenden deutschen Sicherheitsfachverlage. Wir punkten mit fachlicher Kompetenz, redaktioneller Qualität und einem weit gespannten Netzwerk von Experten und Branchenkennern

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben